| Content | Alfred Schlee (UE) finds it gratifying that Paul Sacher himself sent Bohuslav Martinů the score of EPOS ON GILGAMES. In the meantime, however, the publisher had already supplied the composer with a copy of the score himself. This will not delay the publisher's work on the publication of the work. Schlee refers to his previous letter [see letter of 3 April 1957, ID 5053], in which he writes that Sacher will first receive a shipment with the second part of the score. Because of the division of the edition into parts, this part was processed first. This part was sent on 5 April, so it must have reached Sacher in the meantime. Sacher is probably right to use his own discretion in the matter of scoring the small solos. In the meantime, the publisher has at least written to Martinu on the matter and will inform Sacher as soon as he receives a reply. Martinů's idea of a semi-theatrical performance of the work would indeed be unfeasible in Europe. The publisher believes that Martinů has seen some concert performances of operas in the USA, such as Berg's Woyzeck under Mitropoulos, in which the singers performed a certain acting action. This method of performance seems to have worked well there. However, it does not correspond to our ideas of concert production. If Sacher, for example, is aware of how Irmard Seefried sings the songs, and would like to go in that direction, he will probably come close to Martinů's idea. However, the publisher believes that in Basel this kind of rendering would be bold and would come across as rather ridiculous. He believes that Sacher is doing well to depart from the composer's instructions, which can be understood anyway as suggesting possibilities rather than as a strict prescription. In any case, it might be a good idea to inform Martinu of this. The publisher trusts that Martinů will not object to substantive reservations. |
| Transcription of the letter | "[...] es war sehr lieb, dass Sie die Partitur von ´Gilgamesh´ an Martinu geschickt haben. Wir hatten ihm allerdings auch inzwischen schon einen Abzug zugesandt. Die Arbeit an der grossen Partitur verzögert sich dadurch nicht.
Wenn Sie in meinem früheren Brief nachlesen, werden Sie finden, dass ich Ihnen zuerst die Zusendung der Partitur des zweiten Teiles zugesagt hatte. Aus Gründen der Einteilung der Herstellung wurde dieser Teil zuerst in Angriff genommen. Diese Partitur ist am 5. April abgegangen, müsste also inzwischen wohl bei Ihnen angekommen sein.
Wahrscheinlich haben Sie Recht, wenn Sie wegen der Besetzung der verschiedenen kleinen Soli selbst die Entscheidung treffen. Immerhin hatte ich Martinu bereits geschrieben und ich werde Sie sofort informieren, wenn ich seine Antwort habe.
Die Vorstellung einer halbdramatischen Aufführung, die Martinu hat, dürfte in Europa tatsächlich schwierig zu verwirklichen sein. Ich vermute, dass Martinu in den USA einige Konzertaufführungen von Opern gesehen hat, wie z.B. die Aufführung des ´Wozzeck´ unter der Leitung von Mitropoulis, bei denen die Sänger eine gewisse mimische Aktion durchgeführt haben. Diese Art der Darstellung scheint sich dort sehr bewährt zu haben. Es entspricht allerdings nicht ganz unseren Vorstellungen von einer konzertanten Wiedergabe. Wenn Sie immerhin sich vergägenwärtigen, wie Irmgard Seefried Lieder singt, und in dieser Linie nur nch einige Schritte weitergehen, so ist bereits das erreicht, was Martinu sich vorstellt.
Ich glaube allerdings, dass in Basel diese Art der Darstellung doch gewagt wäre und eher lächerlich wirken als dem Werk nützen würde. Ich glaube daher, dass Sie durchaus Recht haben, wenn Sie bei dieser Aufführung von der Vorschrift Martinus abweichen, die wir vielleicht überhaupt lieber als eine Möglichkeit, nicht als bindend ansehen möchten. Immerhin wäre es vielleicht gut, dies Martinu mitzuteilen. Er ist, glaube ich, sachlichen Einwänden gegenüber nicht verschlossen. [...]"
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